31. Dezember 2016

Offener Brief an das Jahr 2016 - persönlich

Liebes Jahr 2016!

Ich möchte mich gerne persönlich von dir verabschieden, denn du warst ein sehr präsentes und ereignisreiches
Jahr. Deine 12 Monate waren soll vollgestopft, wie nie ein anderes Jahr zuvor.

Du hast nicht nur die ganze Welt an ihrer Achse gepackt, du hast auch meine kleine persönliche Welt einige heftige Male durchgerüttelt – im Guten, wie im Schlechten.

Ich wusste schon zum Ende deines Vorgängerjahres 2015, dass du einige Highlights, aber auch viel Stress bringen würdest, denn es lag viel an in deinen 12 Monaten und alleine die geplanten und ersehnten Ereignisse hätten ausgereicht, aus dir ein spannendes und interessantes Jahr zu machen.

Aber du hast aus den Vollen geschöpft und mit Nachrichten und Begebenheiten gewartet, die mir oft den Atem genommen haben.

Du wolltest wohl etwas Besonderes sein und das hast du auch geschafft!

Einige wundervolle Erlebnisse hast du mir geschenkt – eine Theateraufführung meiner Tochter und meine anstrengende aber erfüllende Mitarbeit daran – wir haben einen großem Familiengeburtstag bei uns gefeiert, der schöner geworden war, als gehofft – wir haben Berlin wieder einmal bereist und ein Stückchen mehr wieder ins Herz geschlossen – ein großer Wunschtraum ist in Erfüllung gegangen, wir haben Schottland besucht und sind wehmütig und tiefbeeindruckt von dort weg gefahren – es gab Hochzeiten und eine von diesen war lang erseht und traumhaft schön – ich habe eine neue Freundschaft geschenkt bekommen und einige andere Freundschaften sind vertieft und gestärkt worden – ich hatte dieses Jahr viele Begegnungen mit Menschen, die nur kurzzeitig oder flüchtig waren, aber tiefen Eindruck hinterlassen haben – mir ist einmal mehr bewusst geworden, welches Glück ich mit meiner Familie habe und wie sehr ich sie liebe und wie sehr ich geliebt werde.

Dafür danke ich dir aus tiefstem Herzen!

Ich lasse dich aber nun mit gutem Gewissen gehen, denn du hast mir auch einige Dinge genommen und viele böse Pfeile abgeschossen für mich und meine Familie, die ich nun gerne hinter mir lassen möchte und mit allem abschließen will.

Es gab Verluste, schlechte Nachrichten, Schatten über Monate, viele Komplikationen, Aufregungen, Trennungen und viele viele Schmerzen nicht nur für mich…

Ich weiß gar nicht genau, wie ich mich mit dir fühlen soll. Zum einen bin ich sehr froh, dass du zu Ende bist und habe die große Hoffnung, dass das nächste Jahr weniger kraftraubend und einfach nur erholsam wird, zum anderen hast du aber auch einige schöne Dinge hervorgebracht, die dich ebenso in mein Gedächtnis bleiben lassen, wie die Sachen, die hoffentlich bald verschwimmen und nicht mehr so wichtig sein werden, weil es Schöneres geben wird und weil man immer nur die guten Sachen im Gedächtnis behalten sollte.

Du hast mir meine Zerbrechlichkeit vor Augen geführt und mir den anstrengenden Weg gezeigt, Gelassenheit zu erlangen und du hast mir Demut gelehrt.

Ich stehe noch und fühle mich erschöpft und kraftlos, aber auch gestärkt und voller Respekt vor dem Leben und den Menschen.
Du hast mich so viel Energie gekostet, wie kaum ein anderes Jahr zuvor und ich bin nun froh, dass du dich dem Ende neigst.

Du wirst nicht nur mir in Erinnerung bleiben.

Nun kommt ein neues, ein anderes Jahr, dass hoffentlich Lehren aus dir zieht und ein besseres wird.
Nein.

Es wird nun ein besseres Jahr kommen und ich freue mich darauf!

So Gott will!


11. Dezember 2016

DU bist eine starke Frau - von Lebenskraft und Respekt


Bin ich stark?

Es geht zwar um das Thema Krebs, aber die Erkenntnis ist unabhängig davon… 

Mir wird häufig gesagt, wie stark ich bin und wie gut ich meine ganzen Geschichten ertrage – meine Antwort ist meistens: „Ich habe ja auch keine Wahl!“ und...

„Das schaffst auch du!“

Ok, ich habe vielleicht noch einen eigenen Humor, der mich durch das Leben trägt und ich versuche nicht alles so schwer zu nehmen, wie das Leben mir manchmal in die Pfanne haut, aber ich habe so wahnsinnig viele starke Frauen getroffen, dass ich sicher bin:

Wir können so viel mehr (er)tragen, als wir denken!


Lernen über sich selbst

Wenn man ein paar Tage im Krankenhaus liegt – oder auch mal ein paar Tage mehr – kann es passieren, dass man wechselnde Zimmernachbarinnen hat.
Man lernt so Menschen kennen, die man im Leben sonst nicht getroffen hätte, mit denen man sich vielleicht noch nicht einmal befreundet hätte, weil man ganz anders tickt oder das Leben und der Altersunterschied so groß sind, dass es einfach keine Berührungspunkte gibt.
Es kann natürlich auch anders sein.
Ich hatte das Glück, ein paar wirklich großartige Frauen kennen lernen zu dürfen, die mein Herz etwas größer gemacht haben.

Aber ich habe von allen Frauen dort etwas gelernt.

Frauen

Wenn man auf einer Krebsstation liegt, begegnen einem natürlich auch die unterschiedlichsten Schicksale, Persönlichkeiten und Geschichten.
Man trifft Frauen, die gerade an einem Punkt in ihrem Leben sind, an dem das Leben sie auf die Probe stellt und die tief ins Innere greift.

Frauen vor der Diagnose, Frauen mitten im Kampf, Frauen nach dem Krebs, Mütter, Omas, Krankenschwestern, gläubige Frauen, vom Leben hin und her gestoßene Frauen – Verzweiflung, Wut, Trauer, Mitgefühl, Dankbarkeit, Angst, Liebe, Zuversicht, Glück. Frauen die danach in ein großes Loch gefallen und gefangen sind und Frauen, die daraus stärker und glücklicher hervorgegangen sind.
Man trifft sie auf dem Flur, beim wöchentlichen gemeinsamen Frühstückt, bei der Krankengymnastik, vor den Untersuchungszimmern und im Gemeinschaftsraum.


Die Kraft

Ich habe Frauen dort im Krankenhaus kennen gelernt, die auf die Diagnose gewartet haben, ob ihr Leben sich nun ändern wird oder nicht.
Auf welche Art und Weise, war meistens erst einmal egal. Man muss sich damit auseinandersetzen, dass es sich etwas Entscheidendes verändert – ganz schnell und trotzdem sehr schleichend – für eine absehbare Weile (mit den Therapien und den Folgen) und für den Rest des Lebens (nach der Krebstherapie).
Denn die Krebsdiagnose ist auch immer beides – der akute Schock, die anstehenden Behandlungen und Folgen und der stete Begleiter für den Rest seines Lebens, mal mehr, mal weniger stark spürbar.



Der erste Schock ist immer das Schlimmste! Das kann einem niemand nehmen, wenn die innere Welt zusammenbricht und man gegen die Wand fährt mit den Gedanken. Die Verzweiflung ist unfassbar und jeder geht ein stückweit anders damit um, aber der Schock sitzt erst einmal.

Vielleicht liegt es an dem geschützten Raum, den ich dort auf der Senologie erlebt habe das „sehen“ von Frauen, die ein ähnliches Schicksal teilen in den verschiedensten Abschnitten davon – vor der Diagnose, nach der Diagnose, vor der Chemo, nach der Chemo, nach den OPs, mit und ohne Brüsten.
Man sieht, dass es nicht zu Ende ist, dass es weitergeht, dass die Diagnose Krebs nicht bedeutet, dass man nächste Woche tot ist.

Die Erkenntnis, dass es noch ein Leben gibt, macht einen stark.
Unabhängig, wie lange man noch leben darf oder was alles noch auf einen zukommt.

Du lebst, jetzt!
Und das gibt dir Kraft!

Denn es geht weiter…

Auf meinem Zimmer lagen auch Frauen, die nach dem Brustkrebs einfach nur zur Kontrolle für eine Nacht gekommen waren – natürlich ist man nervös, weil man Angst hat, dass alles wieder von vorne losgeht, aber man ist gewappnet, es ist etwas, was man schon mal kennen gelernt hat und die Angst vor dem Unbekannten ist meist größer, als vor dem, was man schon kennt. Also ist man gefasster und freut sich trotzdem, wenn alle Ergebnisse gut sind und man ganz schnell seinen Koffer nehmen kann, um wieder zurück in den Alltag zu gehen.

Ein Stück Vergessen auf Zeit! Und das Leben geht weiter.


Respekt und Lebenskraft

Ich habe so wahnsinnig viel gelernt und ich konnte für mich eine Menge mitnehmen aus den Begegnungen mit den Frauen auf der Station, den Schwestern und den Ärzten dort.
Ich wurde bestätigt, dass auch Du das schaffen kannst!

Dass das Leben uns Päckchen zu tragen gibt, die wir auch tragen können.
Das heißt nicht, dass es leicht ist, dass man es immer alleine schaffen kann, aber das alles in uns steckt, damit wir es schaffen können.

Ich habe mal wieder meine Grenzen kennen gelernt und neue setzen müssen. Ich habe wieder ein bisschen mehr Demut gelernt, vor dem, was ich habe.

Und mir ist einmal mehr gezeigt worden, welchen Respekt wir voreinander haben sollten, vor dem, was alles in uns steckt, egal ob wir uns kennen, oder nicht, ob wir uns mögen, oder nicht und ob wir uns verstehen, oder nicht.

Wir sind alle unterschiedlich geformt und leben in unterschiedlichen Lebensabschnitten, aber in uns steckt eine Lebenskraft, die nicht nur uns selber bereichert, sondern unabhängig von unserer Beziehung jeden bereichern kann.

Und das passt so schön in die Vorweihnachtszeit – unabhängig von Krankheiten und Widrigkeiten!

Habt Respekt voreinander! Ihr seid so stark und voller Leben!

Habt Euch lieb!

Einen schönen 3. Advent!

6. Dezember 2016

IST-Stand und Männerschnupfen

Tastaturtasten

Irgendwie bekomme ich zurzeit nicht die Bloggerkurve – ich habe schon einige Posts geschrieben – aber nur im Kopf – an die Tatstatur habe ich es noch nicht wirklich geschafft.



Am Anfang – also seitdem ich aus dem Krankenhaus wieder Zuhause bin – klappte das noch nicht so gut mit meinem Arm. Denn nach drei OPs und zweimal Wundheilstörung und dementsprechend den Arm für über 2 Monate stillhalten müssend, ist nicht nur meine Muskulatur quasi nicht mehr vorhanden, inzwischen bin ich aus dem „schreiben“ auch einfach raus.

Ich muss mich nun also an allem langsam wieder herantasten – auch an die Tatstatur.

Ist-Stand

Erst einmal mein Ist-Stand – ich bin erkältet… ich habe Männerschnupfen – nicht ganz richtig, ich bin schon wirklich sehr heftig erkältet, aber meine Tochter meinte, dass Krebs, 3 OPs und ständige Komplikationen mich kalt gelassen hätten, aber zwei Tage Schnupfen und Hustenreizanfälle, mich zu einem Jammerlappen gemacht hätten. Ich lass das mal so stehen…

(... lustig - genau diese Socken habe ich gerade während des Postingsschreiben auch an - Knutscha an Uschi)

Ich finde Erkältungen einfach blöd und hasse es, wenn ich nichts riechen kann.

Dicht

Der andere Ist-Stand – ich bin dicht!

Anders ist es nicht auszudrücken.

Seit ein paar Wochen habe ich keine Löcher mehr am Körper, die dort nicht auch hingehören.
Ich habe zwar noch immer übertriebene Horrorvorstellungen von aufreißenden Narben, wenn ich einen Hustenanfall habe, aber das ist wohl nur meinem phantasievollen verschleimten Hirn zu verdanken – Gott sei Dank!
Die Schmerzen halten sich in Grenzen, aber ich bin froh, wenn ich nicht mehr im Sitzen schlafen muss (also halb aufgerichtet, damit kein Zug auf die Naht kommt) und ich vielleicht irgendwann einmal wieder in ein paar Monaten, mich auf die Seite drehen kann im Bett. Ansonsten nehme ich jetzt auch das Tamoxifen – das viele Brustkrebspatienten nehmen und warte noch auf dessen Nebenwirkungen – falls es überhaupt wirkt bei meinen Leberproblemen – aber das ist ein anders Thema.



Vorbei ist der Heilungsprozess noch nicht mit Physiotherapien, Lymphdrainagen und anderen abklärenden Untersuchungen. Aber wenn man einmal Krebs hatte, ist das ein ewig begleitendes Thema, nun einmal mehr…

Von Spülmaschinen und Engeln

Ich bin noch immer stark eingeschränkt indem, was ich machen kann, da mein Arm durch die Naht und die ganzen Komplikationen nicht belastbar und stark bewegungseingeschränkt ist - Spülmaschine einräumen geht inzwischen – Autofahren wird wohl noch eine Weile dauern.

Meine Mama ist mal wieder wie ein wirbelnder Schutzengel unterwegs und macht alles für mich und meine Familie – ich habe unfassbares Glück mit meiner Familie, dass hier trotz aller Widrigkeiten alles so gut läuft.

An dieser Stelle ein dickes DANKE vor allem an meine Mama!

Blog und Krebs

Nun ja, das Krebsthema wird dem Blog noch eine Weile erhalten bleiben – ich weiß zwar nicht, ob so kurz vor Weihnachten jemand überhaupt etwas davon hören will, aber so ist es nun mal…

(Die Patchworkdecke macht mich nun Zuhause glücklich - auch wenn es ein Tröster... oder besser ein Arschtritt von der lieben Simonee/Pamamone ist - fettes Danke...!!!)

Zumindest kann ich die Weihnachtszeit genießen und hoffe, dass es euch auch so geht!

Genießt die Lichter, das Funkeln und die Weihnachtsdüfte (vor allem die Düfte für mich mit, da ich ja nichts riechen kann!) und habt euch alle lieb!!!