29. Juni 2016

Island - Rückblick - Ode an das Land der Trolle und Elfen - aus aktuellem Anlass

Ätherisch

Das ist das erste Wort, das mir vor 2 Jahren einfiel, als ich morgens wach wurde und an Deck unseres Urlaubsschiffs stand und zum ersten Mal einen Blick auf Island warf.

Es war kühl, aber mild. Es war flach und doch steil. Es dampfte und wolkte, aber es war nicht nebelig. Es war grau und grün und blau und es war sehr still an Bord. Ungewöhnlich still, denn irgendwie waren alle gefangen von dem Anblick.


Von Trollen und der Ursuppe

Ich kam mir vor wie ein Landhopper - 12 Länder in 5 Tagen, denn wir waren nur 2 Tage in Island und wir haben leider das Land nur gestreift, aber die kurze Zeit hat gereicht, um zu faszinieren, denn egal, was ich euch hier an Bildern zeigen kann, nicht ein Foto konnte die Besonderheit einfangen, die dort herrscht.

Wir hatten leider nicht immer gutes Wetter und oft wirkte die Landschaft grau und braun von Nebelschwaden durchzogen, aber gleichzeitig wirkten die bewohnten Orte auch wieder bunt und lebendig wie Kinderzeichnungen.

Unser erstes Ziel war Akureyri und von dort starteten wir, um uns die Trollfelsen anzuschauen...

(Na erkennt ihr die armen versteinerten Trolle?!)


Um an den Schwefelfeldern zu schnuppern...


Die Vulkankrater und Pseudokrater zu begutachten...


 Von den Wasserfällen durchfeuchtet zu werden..., oder direkt in die warmen Lagunen zu steigen...

Knapp 500 Fotos habe ich gemacht und doch vieles nicht fotografiert, weil ich einfach nur hinschauen musste ohne Linse vor dem Gesicht.

Island ist so urban - man hat das Gefühl, dass hier soeben die Erde entstanden ist und gleich irgend ein Kiemenwesen aus der Ursuppe robbt, um seinen ersten Atemzug an Land zu nehmen...

Oder, dass gleich ein Vulkan erzittert und alles auseinander zieht und die Erde sich teilt...

Wir sind tatsächlich durch einen Felsen (Berg wäre zuviel gesagt) gefahren, auf einer Straße, der wirklich in der Mitte gebrochen ist, weil dort wirklich die Erdplatten auseinanderdriften - erschreckend schön und faszinierend...

In Island im Wald


Wir hatten dort eine deutsche Reiseleiterin, die uns sehr schön erklärt hat, mit welchen Ungewöhnlichkeiten sie sich dort abfinden musste als so sie der Liebe wegen vor vielen Jahren dorthin auswanderte, was dieses Land so seltsam macht.

Dass, wenn man im Landesinneren wohnt, es so abgeschieden sein kann, dass man nur einmal im Monat einkaufen fahren kann, weil es meist einen ganzen Tag dauert, oder auch zwei, bis man wieder Zuhause ist...
Dass dort das warme Wasser direkt aus dem Boden in die Leitung kommt und nicht extra erwärmt werden muss, dafür aber leicht schwefelig schmeckt...
Dass die Isländer das Wasser teilweise gar nicht abstellen, weil es dort keinen Mangel daran gibt und das Umweltbewusstsein dafür gar nicht da ist. ..
Dass man seine Haustür nicht abschließen muss, weil dort nie wirklich etwas Böses passiert...
Dass der Strom so günstig ist durch die ganzen Warmwasserwerke, dass dort die Fernseher auch laufen, wenn niemand Zuhause ist...
Dass man dort Brot in der Erde backen kann, einfach so...
Dass einer der lustigsten Witze ist:
Was macht man, wenn man sich im Wald verlaufen hat?
 - aufstehen - 
... weil es einfach nicht genug Bäume gibt, fast nur Sträucher...
...

Gegensätze und doch ganz anders


Natürlich besuchten wir auch Reykjavik und auch hier prallten Ursprung, Landschaft und moderne Stadt aufeinander. Keine Wolkenkratzer, kein lauter Verkehr, eher das Gefühl einer niedlichen Studentenstadt mit viel Kultur, Kunst und schönen Menschen.

Daneben aber auch leere Gassen, Industrie und Tourismus.


Ich glaube, dass man Island unbedingt einmal gesehen haben muss!

Auswandern würde ich dorthin wohl nicht - mir fehlen dort die Bäume und Wälder und ich mag keine Schafshirne essen und Trockenfisch, aber das, was ich dort kurz kennen gelernt habe, hat mich berührt.


Und abgesehen von unserem tief beeindruckendem Whalewatching mit Baby-Delfin und Zwergwal, sowie einer Herde Killerwale auf See, hat uns Island meinen bisher schönsten Sonnenuntergang geschenkt...


Also sollte Deutschland gegen Island im Finale stehen...

16. Juni 2016

30 Kilo abgenommen

„Boah, hast du aber abgenommen!“

Das höre ich in letzter Zeit immer öfter. Dabei habe ich im letzten halben Jahr nur ca. 5 Kilo abgenommen.

5 Kilo mag für einige sehr viel klingen, vor allem, wenn man vielleicht knapp 1,60 m groß ist und ansonsten auch eher zierlich gebaut ist, wenn man aber wie ich 1,81 m groß ist und keinen zierlichen Knochenbau hat, dann fallen 5 Kilo gar nicht so ins Gewicht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor knapp 2 Jahren war ich so stolz, dass ich s geschafft hatte, 10 Kilo abzunehmen, das hat aber keiner gesehen, dabei hätte ich die Motivation damals sehr gebraucht, denn mein Ziel war es eigentlich 20 Kilo abzunehmen. Nach 10 Kilo war ich total stolz auf mich, auf dem richtigen Weg zu sein und freute mich über ein Gürtelloch weniger.

Aber wie schon gesagt, wenn man sehr groß ist und dazu noch sehr, sehr dick, so wie ich, dann sind 5 Kilo nicht sichtbar und anscheinend auch 10 Kilo noch keiner Jubelschreie wert.

An dieser Stelle ein kleiner Appell, wenn euch ein dicker Mensch freudig verkündet, er hätte ein paar Kilo abgenommen, lobt ihn!

Was andere sehen und was man selber fühlt

Wohl gefühlt habe ich mich immer, egal wieviel die Waage angezeigt hat. Ich habe mich nie so dick oder beeinträchtigt gefühlt, wie es die Waage, die Ärzte oder das Umfeld es wohl zu sehen geglaubt hatten.
Ok, gesehen habe ich das auch, schließlich gibt es auch hier Ganzkörperspiegel und genervt hat es mich auch, dass ich nicht so „schlank“ ausgesehen habe, wie ich mich fühlte, aber ich hatte keinen wirklichen Leidensdruck und Essen ist so lecker!

Die magische Zahl

Der Gedankenwandel, dass ich was „tun“ müsste, kam mit einer magischen Zahl, die in meinem Kopf rumschwirrte, die ich nie auf meiner Waage sehen wollte.

Nachdem meine Knie sich dann öfter schmerzhaft bemerkbar machten (wir wohnen im Dachgeschoss und ich liebe es, wenn schlanke sportliche Menschen ächzend und stöhnen ob der Treppen vor meiner Tür nach Wasser rufen – und nein, die Treppen helfen leider nicht beim Abnehmen und ja, ich hasse sie auch, aber ich atme sie besser weg), wagte ich den lang verschmähten Gang auf die Waage und stellte sehr entsetzt fest, dass exakt genau diese Zahl angezeigt wurde.

Ich will nicht verzichten

Sehr geschockt wegen der Ausmaße (ich liebe platte Wortspiele) lud ich mir sofort die „WeightWatchers“-App runter.

Irgendein Plan musste her und von irgendwelchen Eiweißdrinks, Tabletten und Pülverchen halte ich prinzipiell gar nichts. „Atkins“ halte ich persönlich für wahnsinnig ungesund, außerdem mag ich nicht so gerne Fleisch, „Schlank im Schlaf“ habe ich mal probiert – es hat auch irgendwie funktioniert, aber ich kann einfach morgens nicht sofort und so viel Essen, wie ich es gedurft bzw. gemusst hätte (5-6 ganze süß belegte Brötchen, örks).

Für mich war klar, es lag an mir und meinem Essverhalten, ich kann nur abnehmen, wenn ich weitestgehend selbst bestimme und auswähle, was ich esse.
Da ich aber kein Gruppentherapiemensch bin, reichte mir völlig die App, die mir sagte, was ich darf und die mir verbildlichte, was ich wirklich zu mir nahm.

Mir war auch klar, dass ich nicht auf die Schnelle abnehmen wollte und durfte, denn ich wollte meine Ernährung auf „richtig“ gesund umstellen – mein Ziel: eine Ernährungsweise finden, die gesund ist und mir schmeckt und die ich problemlos beibehalten kann, ohne das Gefühl zu haben, ich muss den Rest meines Lebens auf irgendetwas verzichten (das muss ich auf Grund vieler Lebensmittelunverträglichkeiten sowieso schon).

Am Ziel?!

Langsam aber stetig nahm ich so über knapp eineinhalb Jahre etwas über 20 Kilo ab und hatte beide Ziele erreicht – Gewicht reduziert und Ernährung umgestellt.

Wohler gefühlt habe ich mich nicht, nicht wirklich – meine Knie schmerzten nicht mehr so sehr, aber eigentlich hat sich nichts für mich verändert vom Körpergefühl her.

Dann kam der Diabetes dazu – und nein, der hatte nichts mit meinem Gewicht oder meiner bisherigen Ernährungsweise zu tun (dazu hier mehr).
Und es hieß, mit Diabetes ist abnehmen noch schwieriger. Gewicht halten war schon schwer genug, die Umstellung mit dem Diabetes war eine riesige Aufgabe und während ich mich an die neue Situation gewöhnen musste, musste ich mich auch noch einmal mehr und intensiver mit gesunder Ernährung auseinandersetzen.

Alles was ich bisher gemacht oder gedacht hatte stand plötzlich wieder in Zweifel, denn nichts schien wirklich für mich langfristig zu passen und zu funktionieren.

Ich war sehr verunsichert und wollte auch nicht wieder zu nehmen, nachdem ich mir die 20 Kilo so hart erkämpft hatte, aber mit den Nebenwirkungen meiner Erkrankung, den Lebensmittelunverträglichkeiten und dem Diabetes war ich wirklich eine ganze Weile gestresst.

Der Weg ist das Ziel und ja, es muss Klick machen

Inzwischen klappt alles ganz gut, ich habe nicht nur mein Gewicht halten können, sondern nochmal 10 Kilo abgenommen. Ich kenne meine (Lebensmittel-)Feinde und meine Glücklichmacher beim Essen.
Low Carb ist ein neuer Begriff in meinen Rezepten, ansonsten entscheidet der Bauch (im doppelten Sinne – Lust und Verträglichkeit) und der Blutzucker, wann und was ich esse.

Nach meinem Waagenschock vor 3 Jahren sind nun also über 30 Kilo Gewicht gefallen!

Laut BMI bin ich zwar immer noch übergewichtig, aber nicht mehr adipös.
Ganz schlank werde ich wohl nie, muss ich aber auch nicht, weil ich mich noch immer – ja ich betone noch immer – wohl fühle und mein eigentliches Ziel erreicht habe, mich gesund zu ernähren und mir trotzdem nicht alles verkneifen muss.

Resümee

Aber der Weg war sehr kurvig und wechselhaft. Ich habe eine Menge gelernt über meinen Körper, mein Essverhalten, Ernährung und Wohlfühlgewicht.

Ich fühle mich tatsächlich NICHT schlanker, mein Körper fühlt sich noch immer genauso dick, oder eben nicht so dick an, wie er sich noch vor 3 Jahren angefühlt hat. Aber ja, ich fühle mich wohler, weil ich mit viel mehr Selbstbewusstsein lecker essen kann, was mir schmeckt und was meinem Körper und damit auch mir guttut.



Und mal wieder kann ich euch keinen Tipp, keine Lösung oder Rat geben, wie ihr super gesund und schnell Abnehmen könnt – nur das:

Hört auf euren Körper!

Was sagt euer Magen, eure Gelenke, euer Darm und euer Kopf bei dem, was ihr esst?!
Dann bekommt ihr eure Antwort automatisch!

Lasst es euch schmecken!


6. Juni 2016

Brauner Daumen -> Grüner Balkon

Eigene Zucht

Ich habe mir hier Pflanzen gezüchtet in der Wohnung, die überleben alles!
Sogar mich und meinen braunen Daumen!

Pflanzen haben nämlich leider nicht die Angewohnheit, mir penetrant auf den Leib zu rücken, wenn sich der Wasserpegel neigt, wie mein Kater, wenn nur noch drei Körnchen Futter auf dem Schälchen liegen… - mein Kater ist da geschickter… der meldet sich schon, bevor die Schale leer ist.

Meine Grünpflanzen können das nicht… naja, schon, aber dann liegen mir die Pflanzenteile braun und vertrocknet vor den Füßen und da ist dann nix mehr zu machen mit der ganzen Pflanze…
Somit leben Pflanzen in diesem Haushalt schon sehr lange oder gar nicht….


Die größte Gefahr für meine Topfblumen sind Ferien

Wenn wir nicht da sind im Urlaub, sind alle meine Pflanzen vom Aussterben bedroht.

Aber nicht, weil sie vergessen werden zu gießen, wir haben ja immer Pflanzen- und Tiersitter, sondern weil besagte Pflanzensitter unsere Pflanzen gießen… regelmäßig… das kenne die nicht, deshalb geht es denen nicht so gut, wenn sich jemand um sie kümmert… - die wollen das inzwischen gar nicht mehr.

So leben wir bedingt im Grünen in einer wahren toleranten und harmonischen Koexistenz – keiner erwartet von dem anderen mehr, als er wirklich leisten kann! Perfekt!

Nicht, dass ich es nicht gerne wollte – in kleinen unrealistischen Tagträumen liege ich in lesend in einer Hängematte, umgeben von Ranken und seltenen blühenden Exemplaren voller Vanilleduft und Vogelgezwitscher, aber ist eben nicht so.

Merke: respektiere die Klematis



Unser Balkon ist jetzt nicht soooo klein, dass nicht auch ein Blümchen drauf passen würden und in den letzten Jahren habe ich einige botanische Experimente dort durchgeführt.
Erfolgreich negativ!

Meine Klematis hatte erst einen fürchterlichen Lausbefall und wollte danach nie wieder wachsen, geschweige denn blühen, also stellte ich ihren Topf zur Seite (über Winter), um sie bei der nächsten Aufräumaktion (früher Sommer des nächsten Jahres – an dem Tag im Jahr, wo man auf die Idee kommt, spontan zu grillen) zu entsorgen und was macht sie?!
Sie wächst und gedeiht und blüht, weil ich sie vergessen hatte…

Solche Pflanzen haben meinen vollsten Respekt, dass sie sich sogar gegen eine Naturgewalt wie mich durchsetzen können und richtig schön werden…
Ich liebe sie!

Eine neue Geschichte wird geschrieben

Nun habe ich ein bisschen Ehrgeiz und habe dieses Jahr ein neues botanisches Experiment gestartet – mit einem Uplevel:


Essbares Grünzeug – eigene Ernte – Ernährung vom eigenen Balkon – Selbstversorger…

Ok., Selbstversorgen vom Balkon aus ist jetzt sehr hoch gegriffen, aber mal beim Abendbrot mit der Gurke vom Balkon kommen, aufschneiden und unter der Familie verteilen mit den Worten:

„Die ist bei uns gewachsen!“
(Und aus der Menge kommt ein leises geraunten „Ohhhhhhhhh!“)

Das hat schon Familiengeschichtenwert!

Kräuter sind blöd

Also habe ich mir ein bisschen Internetwissen angeeignet und ein E-Book gekauft zum Thema Nasch-Balkon und bin losgezogen und habe Setzlinge und Samen gekauft – einfach mal so, wie es mir gefiel!


Brokkoli, Mangold, Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Zuckerschoten, Salat, Möhren und Paprika.
Und ein bisschen Pfefferminz, weil wir alle gerne frischen Minztee trinken – auch im Sommer!

Ein direkter Fail waren die Kräuter, für die ich eine super trendige grüne Filztasche gekauft hatte, um sie am Geländer zu befestigen – klappt nicht! Leider!

Aber! Der Rest wächst! Und nun freue ich mich jeden Tag aufs Neue wie blöd über meinen kleinen Urwald!


Es blüht und wächst und ja ok, mir ist die Samentüte mit dem Salat etwas ausgerutscht… aber hey… sie leben noch!
Und ich habe schon geerntet – Mangold!!! Jawohl

Und eine Gurke – aber die wird noch im (Kühlschrank-)Schrein aufbewahrt und umtanzt.
Aber es wächst schon wieder eine neue Gurke und Zuckerschoten habe ich auch schon gesehen und die Erdbeeren werden sogar schon rot… auf MEINEM Balkon!


Und bei schönem Wetter genieße ich meinen Tee nun auf meiner kleinen Liege in meinem kleinen Urwald, träume von Selbstversorgung und fühl mich ein bisschen wie in meinem eigenen kleinen Gewächshaus mit Vogelgezwitscher und meine neu erblühte Klematis neben mir (und die anderen wunderschönen Blüten, dessen Namen ich nicht kenne auch)

… ist das nicht schön!!!?