6. September 2016

5 Dinge die den Schotten als solchen an sich besonders machen - und mich ziemlich dumm haben aussehen lassen


Ich schulde euch noch etwas…
Und zwar wollte ich euch noch von ein paar Ungewöhnlichkeiten der Schottländer berichten – nun, das Leben treibt es gerade sehr bunt hier – dazu demnächst mehr – nun erst einmal mein Versprechen abarbeiten…


Gelangweilte Formel 1 Fahrer

Warum die Schotten nicht die besten Formel 1 Fahrer der Welt stellen, ist mir ein Rätsel.
Vielleicht ist die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 m/ph (etwas über 90 km/h) zu gering, um wirklich trainieren zu können, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Monte Carlo mehr an engen Kurven und Stress zu bieten hat als die schottischen Highland-Strassen, die ich bereits im ersten Schottland Post erwähnt habe.
Allerdings ist mir auch nicht logisch erklärbar, wie man ohne Rallye-Erfahrungen die vom Navigationsgerät vorgegebene Zeit für die Streckeneinheiten einhalten kann.

Vielleicht braucht es auch expliziter schottischer Navigationsgeräte für Ausländer, die neben den Kilometern, der Geschwindigkeitsbegrenzungen und einigen Eventualitäten auch noch Angst, Panik, kreischende Beifahrerinnen, Gegenverkehr auf den schönen Single Trails with Passing Places beachten, die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 m/ph außer Acht lassen und die Strecke mit den realistischen 30 km/h berechnen können.
Was eine 1 stündig geplante Fahrt locker mal auf die Quadratur des Kreises ansteigen lässt, wenn man noch Atempausen am Straßenrand samt Aussteigen mit einberechnet.

Zumindest sind die Zeitangaben in herkömmlichen Navigationsgeräten für Touristen in Schottland nicht einzuhalten…

Ich glaube ja inzwischen, dass nicht dauerhaft schottischen Formel 1 Fahrer immer auf dem Siegertreppchen stehen, weil ihnen das schlichtweg zu langweilig ist.


Der Herr der Ringe

Uns Deutschen wird gerne ein gewisser Hang zu Sauberkeit nachgesagt.
Ich schließe mich da nicht aus.
Allerdings finde ich es schon erstaunlich, dass öffentliche Toiletten in Schottland meist unglaublich sauber erscheinen und sich die deutschen öffentlichen Toiletten da durchaus etwas abschauen könnten!
Allerdings gibt es da eine Unart in Restaurants und an anderen Stellen des kulinarischen Genusses, Tische nicht ab zu wischen.
Anhand der Glasringe konnte man durchaus mal die Glasinhalte der vorherigen 3 bis 7 Gäste ablesen und kleine Rätselspiele daraus machen, derweil man auf seine Bestellung wartete.
In Kombination mit den Essensresten, ist dieses Spiel detektivisch unendlich fortführbar.

Ich habe mich wohl des Öfteren als Deutsche geoutet, indem ich an der Theke nach einem Lappen fragte, um den Tisch selber ab zu putzen oder der Kellnerin den Lappen gerne auch mal abschwatzte, um dem Herrn der Ringe mächtig zu werden.

Kinder bekommen in Schottland nichts zu essen

Schottland – das Land des guten Whiskeys, der Pubs und dem Scottish Folk!

Wir hatten uns schon sehr gefreut, gemeinsam ein paar Abende in einem Pub bei schöner Musik und Göttergatte mit einem landestypischen Whiskey zu verbringen.

Geht nicht!

Zumindest nicht, wenn man Kinder unter 18 Jahren dabei hat.

Ok, wenn es reine Pubs sind, kann ich das noch verstehen – Jugendschutz und Alkohol, kein Thema, aber die meisten Pubs bieten eben auch regulär Essen an, einige haben sogar getrennte Bereiche für Essen und für den Alkoholausschank, aber selbst dort war es teilweise sehr schwierig, Essen zu gehen mit Kindern unter 18 Jahren.

Auch wenn es im Internet und den Bestimmungen für Großbritannien anders steht, so war es schwierig bis unmöglich überhaupt mit Kindern unter 18 in Restaurants essen zu gehen, wenn dort auch Alkohol ausgeschenkt wurde.

Alkohol wird in Geschäften erst ab 18 Jahren verkauft.
In Pubs wird Alkohol erst ab 25 Jahren ausgeschenkt. In die meisten Pubs kamen wir mit unseren Kids (zu der Zeit 14 und 17 Jahre alt) erst gar nicht herein.
Ein Pub wies uns direkt darauf hin, dass wir um 22 Uhr mit beiden Kindern den Ort verlassen müssen, obwohl wir als Eltern dabei waren. Und an einigen Pubs waren deutliche Aushänge, auf denen vorgeschrieben war, dass Jugendliche unter 18 Jahren nur bis 20 Uhr und nur nahe am Fenster an einem Tisch sitzen durften und auch nur bis dahin bedient werden, danach die Örtlichkeiten zu verlassen haben, trotz Eltern.

In Edinburgh gerieten wir gar an einen Türsteher eines Restaurants mitten am Grassmarket, der uns um 16.30 Uhr schon nicht mehr in den Bereich zum Essen lassen wollte, da ab 20 Uhr keine unter 25jährigen mehr erlaubt waren.

Ich heiße die Alkoholbestimmungen in Schottland für sehr gut und finde 25 Jahre als Mindestalter gar nicht so dumm, aber dass man in Begleitung der Eltern am Tage erst ausgewählte Restaurants suchen muss, um etwas Essen zu könne, hat mich schon ziemlich erstaunt.


The Magic To Order

Und wo wir gerade bei Restaurant sind – das Bestellen von Essen ist ein kleines Mysterium.
In den meisten Restaurants sucht man sich einen Tisch, wählt aus der Karte aus, um dann an der Theke das Essen zu bestellen, dort direkt zu bezahlen und dann am Tisch darauf zu warten – Getränke können jedoch jederzeit auch am Tisch bestellt werden.
Manchmal aber auch nicht.
Der Nachtisch kann auch am Tisch bestellt werden – bezahlt werden muss aber alles vorher an der Theke – außer Getränke, die kann man auch am Tisch bezahlen – manchmal.
Aber meistens bestellt man alles an der Theke und die Kellner bringen einem die bestellten Sachen – ohne allerdings die Tische abzuputzen.
Manchmal kann man aber auch am Tisch bestellen und nach dem Essen alles zusammen bezahlen.

Wir haben es immer falsch gemacht – entweder haben wir am Tisch gewartet und es kam niemand – oder wir sind direkt zur Theke gegangen, um zu bestellen und wurden wieder an unsere Plätze geschickt – oder wir standen einfach blöd rum, wussten nicht, was wir tun sollten und outete uns so direkt als blöde Touris.
Die Schotten haben das aber immer lächelnd und freundlich hingenommen und dann sehr direkt schottisch auf die Besonderheiten dieses Lokals hingewiesen… zu essen haben wir immer bekommen!


Brunnentoiletten

Von den magischen schottischen Türen besonders auf Toiletten habe ich ja schon berichtet.
Dass die Toiletten dort erstaunlich sauber sind und das Wasser zum Hände waschen locker zum Abkochen reicht, habe ich auch schon erwähnt.
Ein besonderes Erlebnis auf schottischen Toiletten ist aber auch das Betätigen der Klospülung.
Die Klos dort haben meistens Hebel – leider fehlt ein Foto, aber ihr müsst euch eine Scheibe mit einem meist rechts orientiertem Hebel zum runterdrücken vorstellen, mit dem ihr die Scheibe drehen könnt.
Eigentlich nicht so schwer – aber eben doch, weil der Kraftaufwand schon deutlich auf den Fingern liegt und bei manchen Hebeln auch nie wirklich klar wurde, ob ich einfach zu kraftlos war, diesen ordentlich zu betätigen, oder ob wirklich eine Pumpbewegung nötig war, um erst Wasser in die Leitung zu bekommen, um dann alles mit einem Schwall weg zu spülen.

Wenn ich mich besonders dämlich angestellt habe, sah man mich wie an einem Brunnen stehen, dessen Wasser mit einer Pumpe hochgepumpt werden musste – nur in Kleinformat und trotzdem mit beiden Händen arbeitend… die Schotten sind einfach stärker, schneller, abgebrühter und straighter als ich!

So, nun reicht es aber! Zu gerne wüsste ich ja, welche Ungewöhnlichkeiten so ein Schotte bei uns fest stellen würde... liest hier zufälligerweise ein Schotte mit?
Bitte unbedingt ein Nachricht an mich!!!

Gehbat euch wohl und passt auf euch auf!!



Kleiner Tipp zum Schluss: in den küstennahen Großstädten solltet ihr unbedingt vermeiden, euch zu nahe an den Ampelanlagen aufzuhalten!! 
Das tun mit Vorliebe auch die entzückenden Möwen, die auch gerne den Passanten im Flug mal ihre Brötchen aus der Hand reißen. 
Um diese Brötchen aber genau ins Visier zu nehmen, sitzen sie gerne auf besagten Ampelanlagen, um die Lage zu sondieren und bereits verdaute Passantenbrötchen auch wieder los zu werden – egal, ob man gerade darunter steht oder nicht als Passant. Ihr versteh was ich meine…!?