16. Juni 2016

30 Kilo abgenommen

„Boah, hast du aber abgenommen!“

Das höre ich in letzter Zeit immer öfter. Dabei habe ich im letzten halben Jahr nur ca. 5 Kilo abgenommen.

5 Kilo mag für einige sehr viel klingen, vor allem, wenn man vielleicht knapp 1,60 m groß ist und ansonsten auch eher zierlich gebaut ist, wenn man aber wie ich 1,81 m groß ist und keinen zierlichen Knochenbau hat, dann fallen 5 Kilo gar nicht so ins Gewicht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor knapp 2 Jahren war ich so stolz, dass ich s geschafft hatte, 10 Kilo abzunehmen, das hat aber keiner gesehen, dabei hätte ich die Motivation damals sehr gebraucht, denn mein Ziel war es eigentlich 20 Kilo abzunehmen. Nach 10 Kilo war ich total stolz auf mich, auf dem richtigen Weg zu sein und freute mich über ein Gürtelloch weniger.

Aber wie schon gesagt, wenn man sehr groß ist und dazu noch sehr, sehr dick, so wie ich, dann sind 5 Kilo nicht sichtbar und anscheinend auch 10 Kilo noch keiner Jubelschreie wert.

An dieser Stelle ein kleiner Appell, wenn euch ein dicker Mensch freudig verkündet, er hätte ein paar Kilo abgenommen, lobt ihn!

Was andere sehen und was man selber fühlt

Wohl gefühlt habe ich mich immer, egal wieviel die Waage angezeigt hat. Ich habe mich nie so dick oder beeinträchtigt gefühlt, wie es die Waage, die Ärzte oder das Umfeld es wohl zu sehen geglaubt hatten.
Ok, gesehen habe ich das auch, schließlich gibt es auch hier Ganzkörperspiegel und genervt hat es mich auch, dass ich nicht so „schlank“ ausgesehen habe, wie ich mich fühlte, aber ich hatte keinen wirklichen Leidensdruck und Essen ist so lecker!

Die magische Zahl

Der Gedankenwandel, dass ich was „tun“ müsste, kam mit einer magischen Zahl, die in meinem Kopf rumschwirrte, die ich nie auf meiner Waage sehen wollte.

Nachdem meine Knie sich dann öfter schmerzhaft bemerkbar machten (wir wohnen im Dachgeschoss und ich liebe es, wenn schlanke sportliche Menschen ächzend und stöhnen ob der Treppen vor meiner Tür nach Wasser rufen – und nein, die Treppen helfen leider nicht beim Abnehmen und ja, ich hasse sie auch, aber ich atme sie besser weg), wagte ich den lang verschmähten Gang auf die Waage und stellte sehr entsetzt fest, dass exakt genau diese Zahl angezeigt wurde.

Ich will nicht verzichten

Sehr geschockt wegen der Ausmaße (ich liebe platte Wortspiele) lud ich mir sofort die „WeightWatchers“-App runter.

Irgendein Plan musste her und von irgendwelchen Eiweißdrinks, Tabletten und Pülverchen halte ich prinzipiell gar nichts. „Atkins“ halte ich persönlich für wahnsinnig ungesund, außerdem mag ich nicht so gerne Fleisch, „Schlank im Schlaf“ habe ich mal probiert – es hat auch irgendwie funktioniert, aber ich kann einfach morgens nicht sofort und so viel Essen, wie ich es gedurft bzw. gemusst hätte (5-6 ganze süß belegte Brötchen, örks).

Für mich war klar, es lag an mir und meinem Essverhalten, ich kann nur abnehmen, wenn ich weitestgehend selbst bestimme und auswähle, was ich esse.
Da ich aber kein Gruppentherapiemensch bin, reichte mir völlig die App, die mir sagte, was ich darf und die mir verbildlichte, was ich wirklich zu mir nahm.

Mir war auch klar, dass ich nicht auf die Schnelle abnehmen wollte und durfte, denn ich wollte meine Ernährung auf „richtig“ gesund umstellen – mein Ziel: eine Ernährungsweise finden, die gesund ist und mir schmeckt und die ich problemlos beibehalten kann, ohne das Gefühl zu haben, ich muss den Rest meines Lebens auf irgendetwas verzichten (das muss ich auf Grund vieler Lebensmittelunverträglichkeiten sowieso schon).

Am Ziel?!

Langsam aber stetig nahm ich so über knapp eineinhalb Jahre etwas über 20 Kilo ab und hatte beide Ziele erreicht – Gewicht reduziert und Ernährung umgestellt.

Wohler gefühlt habe ich mich nicht, nicht wirklich – meine Knie schmerzten nicht mehr so sehr, aber eigentlich hat sich nichts für mich verändert vom Körpergefühl her.

Dann kam der Diabetes dazu – und nein, der hatte nichts mit meinem Gewicht oder meiner bisherigen Ernährungsweise zu tun (dazu hier mehr).
Und es hieß, mit Diabetes ist abnehmen noch schwieriger. Gewicht halten war schon schwer genug, die Umstellung mit dem Diabetes war eine riesige Aufgabe und während ich mich an die neue Situation gewöhnen musste, musste ich mich auch noch einmal mehr und intensiver mit gesunder Ernährung auseinandersetzen.

Alles was ich bisher gemacht oder gedacht hatte stand plötzlich wieder in Zweifel, denn nichts schien wirklich für mich langfristig zu passen und zu funktionieren.

Ich war sehr verunsichert und wollte auch nicht wieder zu nehmen, nachdem ich mir die 20 Kilo so hart erkämpft hatte, aber mit den Nebenwirkungen meiner Erkrankung, den Lebensmittelunverträglichkeiten und dem Diabetes war ich wirklich eine ganze Weile gestresst.

Der Weg ist das Ziel und ja, es muss Klick machen

Inzwischen klappt alles ganz gut, ich habe nicht nur mein Gewicht halten können, sondern nochmal 10 Kilo abgenommen. Ich kenne meine (Lebensmittel-)Feinde und meine Glücklichmacher beim Essen.
Low Carb ist ein neuer Begriff in meinen Rezepten, ansonsten entscheidet der Bauch (im doppelten Sinne – Lust und Verträglichkeit) und der Blutzucker, wann und was ich esse.

Nach meinem Waagenschock vor 3 Jahren sind nun also über 30 Kilo Gewicht gefallen!

Laut BMI bin ich zwar immer noch übergewichtig, aber nicht mehr adipös.
Ganz schlank werde ich wohl nie, muss ich aber auch nicht, weil ich mich noch immer – ja ich betone noch immer – wohl fühle und mein eigentliches Ziel erreicht habe, mich gesund zu ernähren und mir trotzdem nicht alles verkneifen muss.

Resümee

Aber der Weg war sehr kurvig und wechselhaft. Ich habe eine Menge gelernt über meinen Körper, mein Essverhalten, Ernährung und Wohlfühlgewicht.

Ich fühle mich tatsächlich NICHT schlanker, mein Körper fühlt sich noch immer genauso dick, oder eben nicht so dick an, wie er sich noch vor 3 Jahren angefühlt hat. Aber ja, ich fühle mich wohler, weil ich mit viel mehr Selbstbewusstsein lecker essen kann, was mir schmeckt und was meinem Körper und damit auch mir guttut.



Und mal wieder kann ich euch keinen Tipp, keine Lösung oder Rat geben, wie ihr super gesund und schnell Abnehmen könnt – nur das:

Hört auf euren Körper!

Was sagt euer Magen, eure Gelenke, euer Darm und euer Kopf bei dem, was ihr esst?!
Dann bekommt ihr eure Antwort automatisch!

Lasst es euch schmecken!