22. Mai 2015

Was bin ich? Diabetes Typ 3! Häh?


Für Nicht-Diabetiker eine kurze Zusammenfassung (ganz grob) – Diabetiker dürfen dies trotzdem überlesen:

Typ 1 Diabetes - die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin – meist durch eine Autoimmunerkrankung tritt diese Form häufig bei jüngeren Menschen und sogar Kindern auf


Typ2 Diabetes – die Bauspeicheldrüse produziert noch Insulin (im Verlauf der Erkrankung kann dies aber auch komplett eingestellt werden), aber der Körper kann dieses nicht verwerten/erkennen -> es tritt eine Insulinresistenz ein. Früher nannte man das auch „Altersdiabetes“


Obwohl im Verlauf einer Typ 2 Erkrankung auch Insulin gespritzt werden muss, ist dies nicht mit einer Typ 1 Erkrankung zu vergleichen und kann gerade zu Beginn einer Typ 2 Erkrankung durch Ernährung, Sport und Tabletten der Diabetes wieder verschwinden bzw. vermindert und verzögert werden. 


Bei Typ 1 Diabetikern ist das unmöglich, sie sind auf Insulingaben angewiesen – haben aber den Vorteil, alles essen zu dürfen (theoretisch). 


Also Sätze wie „Warum machst du Zucker in deinen Tee, du hast doch Diabetes!“ gehen vielleicht bei Oma, aber nicht bei einem Typ 1 Diabetiker!!!


Es gibt noch einige Unterscheidungen in der Form des Diabetes, aber an dieser Stelle soll es ja grob bleiben.

Und was bin ich?

Und dann gibt es noch mich – irgendwie falle ich laut ICD unter Typ 2, da meine Bauchspeicheldrüse auf Grund einer OP nicht mehr das tut, was sie soll, behandelt werde ich aber wie ein Typ 1, weil meine Bauchspeicheldrüse eben nicht mehr das tut, was sie tun soll – ergo bin ich Typ 3 Diabetiker, den gibt es aber im ICD Katalog nicht.

Diabetes habe ich nicht, weil meine Bauchspeicheldrüse ihre Produktion auf Grund einer Autoimmunerkrankung eingestellt hat und auch nicht, weil ich „zu viel Süßes“ gegessen habe – obwohl mein Körperbau durchaus darauf schließen lassen könnte von meinen Maßen her (und ich das auch gerne und oft früher getan habe - also Süßes/Kohlenhydrathaltiges gegessen habe), sondern weil ich 2009 eine Bauchspeicheldrüsenkrebs-Operation hatte, wobei mir der größte Teil der Bauchspeicheldrüse nebst anderer Verdauungsorgane entnommen wurde.
Ich bin eine Elfe... innerlich...

 Die Folge!

Nach der OP gingen die Ärzte davon aus, dass ich eigentlich direkt einen Diabetes hätte, aber mein kleines Stückchen Bauchspeicheldrüsenschwanz, das mir die Ärzte retten konnten, hat noch brav fast über 5 Jahre Insulin produziert. Darüber war ich sehr sehr dankbar, wusste aber, dass das nicht ewig gut gehen wird und der letzte Rest meiner gepeinigten Bauchspeicheldrüse irgendwann seinen Geist aufgeben würde.
Für ein paar Jahre mehr, wäre ich auch dankbar gewesen, aber das kann man sich ja nicht aussuchen.

Was ist passiert?

So kurz vor Weihnachten 2014 muss es dann passiert sein, dass das Restorgan schlapp gemacht hat. Naja, in einer Hochphase der Leckereien, eigentlich auch kein Wunder. Gemerkt habe ich es aber erst Anfang 2015.
Ich musste schon immer viel und oft zur Toilette, da ich locker am Tag 2-3 Liter Tee trinke und somit weltbester Toilettensucher in the house bin!
Nun war es doch nochmal auffällig viel mehr. Außerdem verlor ich trotz Pralinen (Nougat-Zimt in weißer Schokolade *mmmmhm*) immer mehr Gewicht.
Da lag bei mir aber die Befürchtung eher nahe, dass sich der Krebs wieder eingeschlichen hatte (2012 meinte dieser nämlich nochmal kurz Metastasen in der Leber bilden zu müssen – worauf dann kurzerhand die halbe Leber wegoperiert werden musste) – also Blutbild und „ping“ war der Langzeitblutzucker von grenzwertigen 5,9 plötzlich bei über 13.

Da war er nun – der befürchtete Diabetes.

Ok, immer noch besser als Krebs, aber ehrlich gesagt, so ein Diabetes ist schon eine echte Hausnummer und ich fühle mich jetzt nach nicht ganz 4 Monaten wie ein Kleinkind in der Unibibliothek. 

Und nun?

Ich lese jeden Tag etwas Neues, immer auf der Suche, wie es bei anderen funktioniert oder wie ich meinen Alltag besser organisieren kann, oder besser gesagt, wenn es mal nicht so läuft, wie im Alltag. Denn gerade ist alles neu und jeder Tag ein neues Experiment, wie reagiert Herr Zucker heute… wenn ich putze… wenn ich lange Auto fahre… wenn ich mit den Hunden eine längere Runde drehe… wenn ich ins Kino gehe… unterzuckere ich? (weil ich etwas falsch berechnet habe, oder es doch anstrengender war, als gedacht)... schießt der Zucker in unerklärliche Höhen (weil ich falsch berechnet habe, oder weil ich doch eine kleine Pause eingelegt habe, oder weil die Hormone meinen, dass sie grad gar kein Bock auf Insulin haben… erst zwei Stunden später, damit ich dann schick in die Tiefen des Zuckers fallen kann…)

Wir werden sehen…

Wenn Ihr interessante Links für mich oder andere habt, dann schreibt sie mir doch gerne in die Kommentare!